Notwendigkeit frauenspezifischer Maßnahmen im Rahmen von Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Beratungsangeboten1

Frauenspezifische Arbeit ist für einen Großteil von Frauen eine ideale und angemessene Unterstützung. Frauenspezifische Arbeit ist jedoch nicht schon dann realisiert, wenn ein Projekt männerfrei ist, vielmehr knüpft sich daran eine Reihe von konzeptionellen, strukturellen und personellen Anforderungen.

Frauenspezifische Arbeit erfordert Wissen, also Wissen über die Lebensbedingungen von Frauen und die Erkenntnisse aus der Frauenforschung und Informationen zu frauenbezogenen Aspekten im Bereich von Arbeit und Arbeitsförderung mit einfließen zu lassen.

Frauenspezifische Arbeit erfordert Wollen, also die Bereitschaft und die individuelle Haltung aller Beteiligten, frauenspezifisch zu handeln und das Wissen in einen sozialen Kontext zu stellen.

Frauenspezifische Arbeit erfordert Können, d.h. Fähigkeiten bei den handelnden Personen und die Ermöglichung frauenspezifischen Handelns durch die Organisation bereitzustellen.

Die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frau bedürfen eigener Konzepte, die auf die unterschiedlichen Situationen der Frauen eingehen.

  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für chancenbenachteiligte Frauen mit Kindern und alleinerziehende Frauen nochmals erschwert, da kaum soziale Netzwerke oder familiäre Bindungen im Hintergrund stehen. Für viele Frauen ist die Kinderbetreuung nicht zufriedenstellend gelöst und die Beschäftigung in Maßnahmen ermöglicht eine Einbettung in soziale Umfelder zu ermöglichen oder zu erhalten.
  • Junge  Frauen erleben in gemischtgeschlechtlichen Angeboten häufig Ausgrenzung und Diskriminierung bis hin zu sexistischen Übergriffen und in ihrem Rückzug greifen sie auf traditionelle Verhaltensmuster und Rollenbilder zurück. Es ist notwendig ggf. auch vorbeugend Existenzsicherung in Form von Teil-/Vollzeitausbildungen oder ausbildungsbegleitende Hilfen Unterstützung anzubieten.
  • Für Migrantinnen sind frauenspezifische Arbeitshilfeangebote oftmals der einzige und erste Schritt, Zugang zu Arbeit zu finden, unter anderem auch dadurch, dass die Akzeptanz frauenspezifischer Projekte bei den männlichen Familienmitgliedern, die häufig über den Werdegang der Frauen entscheiden, höher ist als in gemischtgeschlechtlichen Angeboten.

Unabhängig der unterschiedlichen Lebensbedingung birgt der frauenspezifische Ansatz die Möglichkeit, dass die Themenfelder Sucht, Gewalt und psychische Erkrankungen eine Sprache und Gehör finden, dass Frauen die Erfahrung von Solidarität, Unterstützung und Ermutigung erfahren.

Frauen arbeiten mit Frauen, das heißt frauenspezifische Arbeit mit Frauen beinhaltet:

  • Parteiliche Arbeit
  • Lernen am Modell und Vorbildfunktion
  • Erfahrungen und Solidarität, Unterstützung und Ermutigung
  • Frauenspezifische Themen wie Gewalterfahrung, Körperlichkeit, Widersprüche der Frauenrolle, etc. finden ihren Platz und werden leichter bearbeitet als in gemischtgeschlechtlichenn Setting.

1angelehnt an: FOGS GmbH. Evaluation von Projekten der beruflichen Förderung von Frauen nach dem SGB II in Stuttgart. Abschlussbericht Köln 2011.